BGF Maßnahmen
BGF-Maßnahmen

Die Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein Teilbereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Sie hat zum Ziel, das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu erhöhen sowie die Ressourcen und die Gesundheit der Mitarbeiter*innen zu stärken. Erreicht wird dies durch die Implementierung verhältnisorientierter und verhaltensorientierter Maßnahmen im Unternehmen.

Die fünf Bereiche der Betrieblichen Gesundheitsförderung

BGF Maßnahmen sollen einerseits die Mitarbeiter*innen motivieren etwas für ihre Gesundheit zu tun (verhältnisorientierte Maßnahmen) und ihnen andererseits helfen ungesunde Verhaltensweisen abzulegen (verhaltensorientierte Maßnahmen). Um gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen zu schaffen ist es wichtig zu eruieren, in welchen Bereichen die eigenen Mitarbeiter*innen am meisten Bedarf zur Unterstützung haben. Dies kann mittels einer anonymen Umfrage erfolgen. So kann ein möglichst großer Teil der Belegschaft erreicht und in weiterer Folge unterstützt werden. Man unterscheidet grob zwischen fünf „Bereichen“, in denen Maßnahmen gesetzt werden sollten:

Bewegung

Bewegungsmangel ist Auslöser vieler Erkrankungen des Muskel-Skelett- sowie des Herz-Kreislauf-Systems, welche deutschlandweit für die meisten Krankschreibungen verantwortlich sind. Regelmäßige körperliche Aktivität hilft hier präventiv, besonders bei den über 50-jährigen. Schätzungen ergeben, dass mehr als 6.500 Herz-Kreislauf-Todesfälle von Männern zwischen 40 und 69 vermieden werden könnten, würden sie sich mehr bewegen (iga-Fakten 3).

BGF Maßnahmen

  • Aufklärungsmaßnahmen über die Wichtigkeit von Bewegung und der Unterbrechung des Dauer-Sitzens sowie moderatem Sport. 
  • Ein bewegungsfreundlicher Arbeitsweg kann z.B. durch Förderung oder Bereitstellung von Company Bikes (und gegebenenfalls Duschen) unterstützt werden. 
  • Ein ergonomischer Arbeitsplatz, mit individuell angepasste Büromöbeln, beugt Muskel-Skelett-Erkrankungen vor. 
  • Das bewegte Büro: Steharbeitsplätze animieren die eigene Arbeitsposition zu verändern. Verschiedene Bürokonzepte wie z.B. das „Active Office“ liefern ganzheitliche Konzepte, wie man mehr Bewegung im Büroalltag integrieren kann. 
  • Sportangebote im Unternehmen, wie z.B. gemeinsame Lauftreffs, Yoga- oder Rückenkurse sowie die Möglichkeit ein Fitnesscenter zu besuchen – es gibt unzählige Möglichkeiten, Mitarbeiter*innen Sportmöglichkeiten zu bieten.

Ernährung

In Deutschland gelten nur noch 40 Prozent der Menschen als normalgewichtig, 20 Prozent der Bevölkerung sind adipös. Übergewicht führt über kurz oder lang zu Stoffwechselstörungen, Diabetes und Bluthochdruck. Dies kann einen Produktivitätsverlust sowie steigende Fehlzeiten, bis hin zu einem frühen Tod zur Folge haben.

BGF Maßnahmen

  • Aufklärungsmaßnahmen – was macht eine gesunde Ernährung aus, Aufklärung von Ernährungsmythen und welche Krankheiten aus falschen Essgewohnheiten resultieren. 
  • Eine gut ausgestattete Betriebsküche, in der man Essen zubereiten oder aufwärmen kann und in der genug Platz für alle Mitarbeiter*innen ist.
  • Gratis Obst und Gemüse für die Mitarbeiter*innen hilft zuckerhaltige Snacks zu reduzieren.
  • Ein gefördertes, gesundes Mittagessen oder eine Betriebskantine, die gesundes Essen zu günstigen Preisen anbietet.
  • Firmen-Kochkurse zu Themen wie: Gesunde Snacks, After-Work Küche, Meal-Prep etc.

Stress und psychosoziale Belastung

Ständige Erreichbarkeit , starker Termin- und Leistungsdruck, Burnout, Mobbing am Arbeitsplatz – der Druck unter dem viele Arbeitnehmer*innen stehen ist groß. Nur wenige Firmen bieten Maßnahmen an, um Stress gezielt zu reduzieren. Die Fehltage aufgrund einer psychischen Erkrankungen sind in den letzten Jahren gestiegen. Rund 19 Prozent der Krankschreibungen sind 2010 in Deutschland psychisch bedingt (TK Gesundheitsreport 2020).

BGF Maßnahmen

  • Ein wertschätzender Führungsstil und ein gutes Betriebsklima sind die Basis für eine gute psychische Gesundheit der Mitarbeiter*innen. Dies muss von den Führungskräften stringent vorgelebt werden.
  • Eine ressourcenorientierte Führung hilft Angestellte dort einzusetzen, wo es ihren Fähigkeiten am meisten entspricht. Zusätzlich soll die Möglichkeit für Fort-und Weiterbildungen bestehen, um das lebenslange Lernen zu unterstützen. 
  • Sensibilisierung und Aufklärung zu Themen wie Stress, Burn-out oder psychische Erkrankungen.
  • Vermeidung von Fehlbeanspruchung und kontinuierlich hohem Arbeitspensum der Belegschaft. 
  • Trainings zur Stressbewältigung helfen das eigene Verhalten zu erkennen und persönliche Maßnahmen zu setzen, um achtsamer arbeiten zu können. 

Suchtprävention

Sowohl der Konsum von Zigaretten, als auch von Alkohol, sind in unserer Gesellschaft weitgehend akzeptiert. Dabei zählt vor allem das Rauchen zu den vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Alleine in Deutschland sterben jährlich 120.000 Menschen an den Folgen des Tabak-Konsums (WHO Welt-Tabak-Bericht 2019). Neben dem Rauchen ist die Alkoholsucht ein weiteres großes soziales und gesundheitliches Problem. Über eine Million Deutsche sind von der Krankheit betroffen. Sie wirkt sich auf das Arbeitsleben vor allem durch Produktivitätsverlust und Absentismus aus. In den letzten Jahren ist auch die Medikamentensucht ein größer werdendes Problem. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Menschen Psychopharmaka verschrieben bekommen. Daneben steigt aber auch die Zahl jener, die leistungsfördernde Mittel zu sich nehmen.

BGF Maßnahmen

  • Aufklärungsmaßnahmen können in Form von schriftlichen Informationen erfolgen, aber auch in Form von Beratungsgesprächen oder Einzelgesprächen für Betroffene. 
  • Raucherbereiche oder eigene Raucherräume zum Schutz der Nicht-Raucher sollten in jedem Unternehmen zu den BGF Maßnahmen gehören. 
  • Verhaltensrestriktionen: Ein Rauchverbot im Unternehmen ist gesetzlich nicht haltbar, kann aber in Form einer Betriebsvereinbarung umgesetzt werden, solange die Belegschaft zustimmt. Ein Alkoholkonsumverbot kann implementiert werden, wenn es die Sicherheit bei gewissen Tätigkeiten beeinträchtigt. 
  • Eine Nikotin Ersatz-Therapie kann vom Unternehmen gefördert werden. 
  • Reintegrations-Maßnahmen nach einem Entzug helfen Betroffenen enorm den Entzug erfolgreich zu bewältigen und geben ihnen eine Perspektive für die Zukunft. 

Gesundheitsvorsorge

Viele Krankheiten können vermieden werden, indem die Menschen über falsche Gewohnheiten aufgeklärt werden und regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.

BGF Maßnahmen

  • Ein Betriebsarzt der Vorsorgeuntersuchungen, Schutzimpfungen, medizinische Checks etc. anbietet, kann wesentlich zur Verbesserung des Gesundheitszustands im Unternehmen beitragen.
  • Regelmäßige Gesundheitstage informieren die Mitarbeiter*innen zur Vorsorge und sind eine gute Werbemöglichkeit zu den BGF-Angeboten im eigenen Unternehmen.
  • Flexibilität der Arbeitszeiten ermöglicht den Angestellten BGF-Maßnahmen auch wirklich wahrzunehmen, z.B. durch Gleitzeiten oder flexible Gestaltung der Pausen. 

Das Wichtigste in Kürze

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein Unternehmen gut beraten ist, alle fünf Teilbereiche – Bewegung, Ernährung, Stress- und psychosoziale Belastung, Suchtprävention und Gesundheitsvorsorge – mit BGF-Maßnahmen abzudecken. Wichtig dabei ist, dass die Maßnahmen auf die Bedürfnisse der eigenen Mitarbeiter*innen abgestimmt sind. Ein Mix aus verhaltensorientierten und verhältnisorientierten Maßnahmen ist zu empfehlen. 

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