Die Arbeitswelt in den letzten Jahren hat sich drastisch verändert und wird nie wieder aussehen, wie vor der Pandemie. In diesem Artikel möchte ich skizzieren, welche Faktoren diese Veränderung kennzeichnen, was das für das Betriebliche Gesundheitsmanagement bedeutet und welche Schlüsse man als Unternehmen daraus ziehen muss.

Veränderung der Arbeitswelt

So schwierig die letzten 2 Jahre in vielen Bereichen waren, so sehr haben sie zu drastischen Veränderungen in der Arbeitswelt beigetragen. Veränderungen, die ansonsten vielerorts noch 10mal so lange gedauert hätten. Veränderungen, die zuvor abgelehnt wurden und plötzlich notwendig waren. Die Krise war hier Katalysator und hat zu vielen Neuerungen geführt, die vor allem im Betrieblichen Gesundheitsmanagement nicht ignoriert werden können:

Homeoffice
So schnell es da war, so schnell wird es sicher nicht wieder weggehen. Homeoffice bleibt in den meisten Betrieben und wird mittlerweile auch von vielen Mitarbeitenden gefordert. Es bringt viele Vorteile, aber auch viele Herausforderungen mit sich.

Weniger (physischer) sozialer Kontakt
Einer davon ist weniger sozialer Kontakt zu Kolleg:innen und Kunden. Auch dieser verlagert sich ins Digitale. Die oft nur mehr sehr eingeschränkte Zeit im Büro wird dafür explizit mehr für den formellen und informellen Austausch mit dem Team genutzt. Hinzu kommt, dass heuer erstmals Absolventen auf den Arbeitsmarkt drängen, die aus dem Studium fast keine andere Arbeitsweise kennen, als die aus den eigenen vier Wänden.

Work from anywhere
Immer öfter gibt es Unternehmen mit 100% Homeoffice Erlaubnis und damit verschwindet die Gebundenheit an einen Standort und Wohnort. Wer es sich leisten kann mietet sich über die Wintermonate eine Wohnung im Süden und klappt bei Bedarf den Laptop in einem Coworking Space auf.

Leichterer Jobwechsel und Kandidatenmarkt
Wenn Mitarbeiter:innen von überall aus arbeiten können, dann können Unternehmen auch weltweit nach Talenten suchen. Plötzlich konkurrieren Salzburger Startups mit den großen GAFA Unternehmen um dieselben Talente. Inwieweit die globalen wirtschaftlichen Herausforderungen (Lieferketten, Zinswende, Krieg) zu einer Wende am Arbeitsmarkt führen werden, oder ob doch der demografische Wandel die treibende Kraft bleibt, wird sich weisen.

Anstieg der Bildschirmzeit
Wenn Meetings online und nicht in Präsenz stattfinden hat das natürlich auch eine Auswirkung auf die Zeit, die Arbeitnehmer:innen vor Bildschirmgeräten verbringen. Einer Studie des Verbandes Bitkom zufolge ist sie in Deutschland während der Corona-Krise um ganze 2 Stunden auf über 10 Stunden pro Tag angestiegen.

Psychische und Physische Belastungen
All die oben genannten Faktoren führen zu erhöhter physischer und psychischer Belastung. Nicht nur kommt es zu weniger Bewegung im Alltag, sondern ergonomisch schlecht eingerichtete Home Offices tragen ihr übriges dazu bei.

Wie sieht Betriebliches Gesundheitsmanagement aus, wenn keiner mehr im Betrieb ist?

All die oben beschriebenen Effekte haben einen direkten Einfluss auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Historisch gesehen haben viele Maßnahmen vor allem direkt am Unternehmensstandort stattgefunden. Diese verpuffen, wenn sie keine Mitarbeiter:innen erreichen, entweder weil schlecht kommuniziert oder einfach irrelevant, wenn die Beschäftigten an anderen Standorten oder im Homeoffice sind. Und gerade im Home Office wäre es, wie oben beschrieben, wichtig anzusetzen.

Betriebliche Gesundheitsförderung, die nur am Standort stattfindet, geht also am Bedarf vorbei. Und ich möchte die etwas provokante These aufstellen:

„Wer kein digitales BGM hat, hat kein BGM.“

Natürlich muss man das von Fall zu Fall und differenziert betrachten, aber Fakt ist, dass es in den letzten Jahren eine massive Verschiebung gegeben hat im Bezug auf wo und wie wir arbeiten. Das Gesundheitsmanagement ist dieser Verschiebung noch nicht ausreichend gefolgt.

Digital first - Schlüsse für das Betriebliche Gesundheitsmanagement

So wie man im Web seit Jahren von einem „mobile first“ Ansatz spricht, muss man wahrscheinlich auch im BGM einen „digital first“ Ansatz wählen. Das heißt nicht, dass physische Maßnahmen vor Ort keinen Platz mehr haben, ganz im Gegenteil, sie werden als Ausgleich zur beschleunigten Digitalisierung einen mindestens so hohen Stellenwert einnehmen.

Es heißt viel mehr, dass jede physische Maßnahme auch ein digitales Pendant haben sollte oder sogar hybrid stattfinden kann. Von vielen wird unterschätzt mit welchem Aufwand das verbunden ist. Ein bloßes Mitfilmen lockt niemanden von der Couch und führt spätestens nach der zweiten Veranstaltung zu erschreckenden Teilnahmequoten. Oft ist der Aufwand für digitale Angebote sogar um einiges höher. (Ton, Kamerateam, Raum, Licht, Übertragungsrate, Interaktionsmöglichkeit, etc.).

Wenn gut umgesetzt, bringen digitale Angebote aber viele Vorteile mit sich und sind ihren analogen Pendants sogar oft überlegen. So lassen sich zum Beispiel viel mehr Ressourcen in eine Veranstaltung stecken, wenn sie dafür standortübergreifend stattfinden kann. Teilzeitkräfte, junge und ältere Zielgruppen oder Menschen, die bisher Berührungsängste hatten können erreicht werden. Und genau in diesem Bereich kann BGM den größten Mehrwert entfalten und einen positiven Beitrag für Beschäftigte und Unternehmen leisten.

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Über den Autor

Günther Matzinger

Günther Matzinger ist 2x Paralympicssieger und Weltmeister über 400m und 800m. Als Gründer der Windhund GmbH ermöglicht er Unternehmen aller Größen monatlich per Livestream den Zugang zum Know-How der führenden Gesundheitsexpert:innen.