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Prof. Dr. Robert Schleip – Gesunde Faszien

Wie neueste Erkenntnisse aus der Faszienforschung unseren Alltag und unsere Gesundheit revolutionieren können

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Prof. Dr. Robert Schleip
Prof. Dr. Robert Schleip – Gesunde Faszien

Faszien – ein oft übersehenes Organ – spielen eine Schlüsselrolle für Beweglichkeit, Schmerzfreiheit und Wohlbefinden. Doch wie können wir diese faszinierenden Strukturen gezielt trainieren und pflegen?

Dr. Schleip, führender Experte in der Faszienforschung, erklärt anhand aktueller Forschung, warum Faszien weit mehr sind als nur „Verpackungsmaterial“ unserer Muskeln. Er zeigt praktische Ansätze, wie Bewegung, Ernährung und gezielte Übungen helfen können, die Gesundheit der Faszien zu fördern.

Mit anschaulichen Beispielen und direkt anwendbaren Tipps wird der Vortrag nicht nur Ihre Perspektive auf den menschlichen Körper verändern, sondern auch konkrete Impulse für einen aktiven, schmerzfreien Alltag liefern.

Faszien – Die „unsichtbaren“ Architekten unseres Körpers

Lange wurden Faszien in der klassischen Medizin als bloße „Verpackung“ betrachtet: Gewebe, das der Präparator wegklappt, um „die eigentlichen Strukturen“ – Muskeln, Knochen, Organe – freizulegen. Heute weiß man: Dieses faserige Bindegewebe ist alles andere als passiv.

Der menschliche Körper wird nicht wie eine Maschine gebaut, bei der man die Verpackung abnehmen kann, ohne dass sie funktional relevant wäre. Der Mensch entsteht durch das Wachstum eines kleinen Samenkorns zu Beginn der Entwicklung bis hin zu einem voltentwickelten menschlichen Körper – und auch die Faszien wachsen mit. Das adhäsive und klebefreundliche Gewebe bekommt von Woche zu Woche der Entwicklung mehr Zugspannung. Dadurch übernehmen die Faszien eine zentrale Rolle für Spannung, Kraftübertragung und Stabilität im gesamten Körper.

Neue Messmethoden, erstmals großflächig präsentiert auf der Harvard International Fascia Research Conference, zeigen:

Ein beträchtlicher Teil der Muskelkraft fließt nicht in Knochen oder Gelenke, sondern in das fasziale Netzwerk – oft über zwei bis drei Gelenke hinweg!

Ein Beispiel: Die Kraft des Gluteus maximus wirkt bis in die Plantarfaszie des Fußes hinein. Diese Erkenntnis zwingt die Medizin, Anatomie und Trainingslehre völlig neu zu denken.

Vom Skelett zur Spannung – Wie das Tensegrity-Modell unser Verständnis des Körpers revolutioniert

Auf dem Harvard-Faszienkongress entstand erstmals eine spürbare Aufbruchsstimmung: Ein neues Architekturprinzip hielt Einzug in die Lebenswissenschaften und verändert seither die Sicht auf den menschlichen Körper – das Tensegrity-Modell. Was ursprünglich aus der modernen Architektur stammt, prägt heute Biomechanik, Zellforschung und Faszienwissenschaft gleichermaßen.

Das Prinzip Tensegrity: Ein Netzwerk aus Zug und Druck

In der Architektur beschreibt Tensegrity (tensional integrity, auf Deutsch etwa “Spannungs-Integrität” oder “stabilisierende Zugspannung”) Strukturen, die nicht durch massive Stützen stabil werden, sondern durch ein Zusammenspiel aus druckstabilen Elementen und Zugspannungsmembranen.

Der Ausdruck bezeichnet somit ein Konstruktionsprinzip, bei dem Zug- und Druckkräfte so verteilt sind, dass eine stabile Struktur entsteht, obwohl die einzelnen Teile oft scheinbar schweben oder gar keinen direkten Kontakt haben.

Einfach erklärt bedeutet das so viel wie:

  • Zugglieder (Seile, Kabel) sind ständig gespannt.
  • Druckglieder (Stäbe, Röhren) berühren sich nicht und werden nur durch die gespannten Elemente in Position gehalten.

Das System ist leicht, stabil und flexibel zugleich.

Übertragen auf den Körper heißt das:

  • Die „Stäbe“ entsprechen knochenähnlichen Abstandshaltern, die zwar Form geben, aber sich nirgendwo fest abstützen.
  • Die Spannungsmembranen entsprechen den Faszien, die das System in Balance halten.

Dieses Modell wurde zuerst auf Zellebene bewiesen: Jede einzelne Zelle besitzt eine Architektur, die mehr einem Spannungsnetz ähnelt als einem starren Baugerüst. Und wenn das schon in der Biomechanik einer Zelle gilt – warum nicht auch für größere Strukturen wie Wirbelsäule, Schultergürtel oder das gesamte fasziale Netzwerk?

Der Körper als schwebende Struktur – mit hoher Fehlertoleranz

Wenn man den Körper durch die Tensegrity-Brille betrachtet, ergibt sich ein radikaler Perspektivwechsel:

  • Die Wirbel müssen nicht millimetergenau aufeinanderstehen.
  • Kleine Asymmetrien sind problemlos kompensierbar.
  • Der Körper ist kein starrer Turm, sondern ein schwingendes Gesamtgefüge.

Faszien sind dabei zentrale Elemente dieses Spannungsnetzwerks. Die moderne Forschung definiert sie deshalb weit breiter als früher:
Alle kollagenen Bindegewebe – von Faszien über Sehnen und Bänder bis zu Organkapseln – gehören funktionell zu einem einzigen Körpernetz.

Das erklärt, warum ein Wirbel rechts etwas tiefer stehen kann als links – und man trotzdem vollkommen aufrecht tanzen, laufen oder springen kann. Stabilität entsteht nicht durch starre Stütze, sondern durch dynamische Zugspannung.

Ein neuer Faszienbegriff entsteht

Seit dem ersten internationalen Faszienkongress 2007 verändert das Tensegrity-Modell auch die anatomische Terminologie. Der traditionelle Faszienbegriff war stark eingeschränkt – er umfasste nur:

  • grob sichtbare Bindegewebsplatten
  • mehrdirektional orientierte, feste Faszien
  • Strukturen, die man ohne Mikroskop erkennen konnte

Doch diese Sicht gilt heute als überholt.

Das neue Verständnis: Ein körperweites Zugspannungsnetz

Inspiriert vom Tensegrity-Konzept fasst die moderne Faszienforschung heute alle kollagenen, faserigen Bindegewebe zu einem zusammenhängenden Spannungsnetzwerk zusammen, dazu gehören:

  • klassische äußere Faszien
  • Sehnen
  • Bänder
  • Organkapseln
  • lockeres Unterhautbindegewebe
  • sämtliches intramuskuläres Bindegewebe:
    • Epimysium – äußere Muskelfaszie
    • Perimysium – Hüllschichten um Muskelfaserbündel
    • Endomysium – feine Hülle um jede einzelne Muskelfaser

Was man früher als „milchige“, fast transparente Hülle im Fleisch betrachtete, ist heute ein integraler Teil eines hochsensiblen Spannungs- und Kommunikationssystems.

Ein Siegeszug in der Biomechanik

Mit der Integration all dieser Strukturen entsteht ein neues Bild:
Der menschliche Körper ist kein statisches, knochengetragenes System, sondern ein ganzkörperweites Fasziennetzwerk, in dem Knochen schweben und Kräfte über große Distanzen verteilt werden.

Das erklärt, warum Bewegungen trotz anatomischer Asymmetrien flüssig bleiben – und warum fasziale Gesundheit entscheidend für Stabilität, Koordination und Schmerzfreiheit ist.

Das Tensegrity-Modell ist damit weit mehr als ein architektonisches Konzept: Es ist die Grundlage einer völlig neuen Biomechanik des Menschen.        Tensegrity Modell

Warum wir im Alter steifer werden – Der unterschätzte Beitrag des Perimysiums

Mit der neuen Definition rückt ein spezielles Element ins Zentrum:

Das Perimysium – die Hülle um Muskelfaserbündel. Früher vermutete man, dass Beweglichkeitsverlust im Alter in erster Linie mit Muskelverkürzung oder einem „Austrocknen“ der großen Faszienplatten zusammenhängt. Doch dank Ultraschall-Elastografie weiß man heute:

Die größte Steifigkeitsentwicklung findet mitten im Muskel statt – im intramuskulären Bindegewebe des Perimysiums.

Warum gerade dort?

Das Perimysium ist nicht einfach nur „Hüllmaterial“.
Es ist ein aktives, sensomotorisches Spannungsmedium, in dem:

  • Nervenverläufe eingebettet sind
  • feine Gefäße verlaufen
  • Immunzellen (z. B. Mastzellen) kollagenbildende Prozesse triggern

Diese Kombination führt dazu, dass sich das Perimysium im Laufe des Lebens strukturell verändert — verdichtet, verfilzt, weniger elastisch wird.

Besonders steif werden jene Bereiche, in denen Nerven- und Gefäßbündel verlaufen. Dort reagieren Immunzellen und regen die Produktion zusätzlichen Kollagens an – die Folge: Faszien verhärten.

Was bedeutet das für Beweglichkeit?

  • Die intramuskuläre Elastizität geht verloren.
  • Das Gewebe reagiert zäher, weniger dynamisch.
  • Lineares Dehnen wirkt nur eingeschränkt, da es die tieferliegenden Schichten kaum erreicht.

Damit wird klar:
Die fasziale Alterung geschieht nicht nur „oberflächlich“, sondern tief in den Muskeln — und das Perimysium spielt eine zentrale Rolle.

Effektive Methoden für mehr Beweglichkeit müssen somit mehrdimensionale Bewegung umfassen, diagonale Spannungen und gleitfähige Mobilisierung berücksichtigen.

Rückenschmerz und Faszien: Wenn Schichten ihre Gleitfähigkeit verlieren

Ein weiterer Schlüsselpunkt: Die Faszienforschung zeigt, dass viele chronische Rückenschmerzen nicht primär muskulären Ursprungs sind, sondern in den faszialen Schichten des Rückens entstehen.

Fasziensysteme bestehen aus mehreren Lagen, die gegeneinander gleiten müssen. Bei gesunden Menschen verschiebt sich die Lumbodorsalfaszie frei und federnd.

Bei vielen Schmerzpatienten treten jedoch folgende Veränderungen auf:

  • Verdickung der faszialen Schichten
  • Minderung der definierten Faserstruktur
  • Verlust der Gleitfähigkeit
  • Verklebungen durch Bewegungsmangel oder einseitige Belastung

Dadurch verliert die Wirbelsäule ihre natürliche Fehlertoleranz, die das Tensegrity-System eigentlich eingebaut hat. Eine Wirbelfehlstellung, die bei einem gut gleitenden faszialen Netzwerk problemlos kompensierbar wäre, wird plötzlich zum Schmerztrigger.

Warum passiert das?

  • Die Faszien sind nicht passive Hüllen.
  • Werden sie einseitig belastet oder immobilisiert, erzeugen sie mehr kollagene Verdichtung.
  • Damit steigern sie Spannung und Reibung.
  • Und diese Reibung wird über die vielen Sensoren im Fasziennetz als Schmerz wahrgenommen.

Praktische Konsequenz:

Bei Rückenschmerzen sollten Therapien nicht nur Muskelstärkung oder Haltungskorrektur anstreben, sondern:

  • die Gleitfähigkeit der Faszien verbessern
  • mehrdimensionale Bewegungsmuster fördern
  • fasziale Mobilisation einbauen
  • intramuskuläre Faszien (Perimysium) gezielt ansprechen

Das Rückenproblem ist häufig ein Bindegewebsproblem — nicht ein Knochen- oder Muskelproblem.

Das bedeutet: Ziel ist nicht mehr Kraft, sondern mehr Gleitfähigkeit.

Die gute Nachricht: Sie lässt sich trainieren – durch variantenreiche, leicht federnde, rotationsreiche Bewegungsformen und fasziale Behandlungstechniken.

Bewegungsmangel „verfilzt“ Faszien – und Schuhe können wie „Gipse“ wirken

Die Faszienforschung zeigt heute deutlich:

Bewegungsmangel ist nicht nur ein Trainingsproblem, sondern ein gewebebiologisches Problem. Faszien reagieren hochsensibel auf die Häufigkeit und Vielfalt der Bewegungen, denen sie ausgesetzt sind.

Das Bindegewebe reagiert erstaunlich schnell auf Bewegungsmangel:
Nach 8–12 Wochen Inaktivität beginnt es zu verfilzen – eine ungerichtete, filzartige Kollagenstruktur entsteht, die kaum noch dehnbar ist.

Wird somit ein Gelenk oder eine Region über Wochen hinweg kaum oder gar nicht bewegt, verändert sich das Bindegewebe strukturell:

  • Die zuvor klar ausgerichteten Kollagenfasern verlieren ihre Ordnung.
  • Statt elastischer, scherenartiger Faseranordnung entsteht ein ungeordnetes, filzartiges Fasernest.
  • Die Schichten gleiten schlechter gegeneinander.
  • Spannung baut sich unphysiologisch auf.

Diese „Verfilzung“ ist nicht nur visuell sichtbar, sondern auch funktionell spürbar — als Steifheit, als eingeschränkte Beweglichkeit oder als diffuse Schmerzen.

Warum Schuhe wie kleine „Gipse“ wirken

Auch Schuhe können faszial betrachtet wie Mini-Immobilisationen wirken.

  • Sie limitieren die natürliche Spreiz-, Streck- und Rotationsbewegung des Fußes.
  • Dadurch bewegen sich Achillessehne, Plantarfaszie und die vorderen Unterschenkelstrukturen in einem sehr engen Belastungsmuster.
  • Diese Einschränkung kann langfristig ebenfalls zu einer „filzartigen“ Veränderung führen.

Das bedeutet nicht, dass Schuhe schlecht sind — aber es erklärt, warum natürliche Fußbewegungen und Bewegungsvariationen für die fasziale Gesundheit essenziell bleiben.

Regelmäßige Bewegung erhält ein schönes, elastisches, scherenartig strukturiertes Fasziengitter.

Der Känguru-Effekt – Elastisches Federn als menschliche Ressource

Ein faszinierender Teil der modernen Faszienforschung ist das Verständnis der elastischen Energie in unserem Sehnen- und Fasziengewebe. Der Durchbruch kam durch eine simple Frage:
Warum können Kängurus riesige Sprünge machen, ohne enorme Muskelkraft zu besitzen?

Die Antwort: Elastische Sehnen speichern Bewegungsenergie wie ein Gummiband.

Diese Fähigkeit hat auch der Mensch – anders als Schimpansen oder Gorillas. Wir sind evolutionär ein „elastischer Läufer“.

  • Bei federnden, rhythmischen Bewegungen (Hüpfen, Laufen, Springen)
    dehnt sich vor allem die Sehne – nicht der Muskel.
  • Der Muskel arbeitet isometrisch, er stabilisiert also nur.
  • Faszien speichern und geben Energie wie ein Gummiband federnd zurück.

Was bedeutet das für unser Training?

Wir sollten regelmäßig rhythmische, federnde Bewegungen einbauen:

  • kleine Sprünge
  • leichtes Hüpfen
  • federnde Lauf- und Gangformen
  • spielerische Bewegungsmuster

Faszien als größtes Sinnesorgan: Unser feinster Feedbackgeber

Ein besonders eindrucksvoller Aspekt betrifft die Sensorik des Fasziengewebes. Faszien enthalten eine enorme Menge sensorischer Rezeptoren, insbesondere:

  • Mechanorezeptoren
  • Propriozeptoren
  • Interozeptive Sensoren

Diese liefern dem Gehirn fortlaufend Informationen darüber, wie wir stehen, gehen, greifen, federn oder uns ausbalancieren.

Faszien enthalten rund 250 Millionen sensorische Nervenendigungen.
Damit sind sie reichhaltiger als:

  • die gesamte Haut
  • das Sehsystem
  • jedes andere Sinnesorgan im Körper

Sie sind unser primäres Organ für Körperwahrnehmung (Propriozeption).

Ein drastisches Beispiel:
Ein Mann, der durch eine seltene Autoimmunreaktion alle propriozeptiven Rezeptoren verlor, kann nach 4 Jahren Training nur gehen, weil er seine Bewegungen optisch kontrollieren kann. Sobald das Licht ausgeht, fällt er. Sein Körper ist sozusagen “blind” für sich selbst. Er zeigt, wie unbeweglich ein Körper wird, wenn die Faszien als Wahrnehmungsorgan nicht mehr funktionieren.

Prof. Dr. Robert Schleip

Energiesparende Eleganz – Was wir von afrikanischen Lastenträgerinnen lernen können

In der Forschung werden afrikanische Trägerinnen immer wieder als Beispiel herausragender Bewegungsökonomie genannt. Studien aus Nature zeigen:
Frauen in Westafrika können bis zu 20 % ihres Körpergewichts auf dem Kopf tragen, ohne signifikant mehr Energie zu verbrauchen als beim Gehen ohne Last.

Warum gelingt ihnen das?

Ein hoch optimierter, elastischer Gang mit perfekter Körperkoordination.

Die Frauen nutzen ihr Faszien- und Muskelnetzwerk auf einzigartige Weise:

  • Ihr Gang ist hoch rhythmisch.
  • Arme, Beine und Becken bewegen sich in gegenseitig unterstützenden Rotationen.
  • Kleine elastische Federmechanismen kompensieren Schwankungen.
  • Die Last wird über ein gesamtkörperliches Spannungsnetz getragen, statt punktuell über Muskelkraft.

Wird ihr Rhythmus gestört (z. B. durch ein Metronom), verlieren sie diese Fähigkeit.
Ihre Faszien arbeiten wie eine Federkonstruktion, die Energie speichert und zurückgibt – ähnlich wie beim Känguru-Prinzip.

Das zeigt:

  • Der Körper arbeitet über Rhythmus, Elastik und fasziale Rückfederung.
  • Nicht über bewusste, muskulär geführte Bewegungen.

Dieses Wissen ist für unseren Alltag enorm wertvoll:
Arme sollten schwingen dürfen, das Becken sollte rotieren, der Schritt sollte federn — denn so arbeitet unser sehniges Spannungsnetz am effizientesten.

Die Katze als Lehrmeisterin – Das Geheimnis gesunder Dehnung

Kaum ein Bild beschreibt natürliche Faszienpflege so schön wie die Katze, die sich nach dem Aufstehen genüsslich dehnt. Tiere wie Katzen, Löwen oder Tiger sind Weltmeister im „räkelnden Dehnen“ (Pandiculation).
Sie tun es dutzende Male am Tag – immer beim Übergang vom Ruhen zum Aktivwerden.

Warum? Weil es ihr Fasziennetz „entknittert“.

Typisch sind:

  1. Schmelzende Dehnungen
    Die Muskulatur lässt los und erlaubt dem Gewebe, sich sanft zu verlängern.
  2. „Katzenkraft“ – Dehnen gegen Widerstand
    Gedehnt bleiben und gleichzeitig leicht anspannen (wie eine Katze, die mit den Krallen am Sofa zieht). Das aktiviert tiefere Schichten – auch Sehnen.
  3. Ganzkörper-Dehnwellen
    Von Ohrspitze bis Zehenspitze breitet die Katze ihre Faszien genussvoll aus.

Warum das so wichtig ist. Pandikulation sorgt dafür, dass:

  • Faszien ausgerichtet bleiben
  • intramuskuläre Hüllen (Perimysium, Endomysium) elastisch bleiben
  • Schichten gegeneinander gleiten
  • die Sensorik wach und reaktionsfähig bleibt

Wer so in den Tag startet, bewegt sich danach eleganter, leiser, geschmeidiger – und bleibt faszial gesund.

Katze dehnt

Fazit – Wie wir dieses Wissen in unseren Alltag übertragen

Die neue Faszienforschung zeigt:
Gesunde Bewegungsmuster sind die beste Investition in langfristige Geschmeidigkeit, Schmerzfreiheit und Körperwahrnehmung.

Praktische Empfehlungen:

  • Täglich räkelnde Dehnungen (wie die Katze!)
  • Mehr federnde, rhythmische Bewegungen integrieren
  • Weite Bewegungswinkel nutzen statt monotone Muster
  • Regelmäßig Armschwung und Beckenrotation beim Gehen
  • Multidirektionale Dehnungen statt rein linearen Stretchings
  • Längere Inaktivität vermeiden – Faszien „verfilzen“ schnell
  • Schuhe variieren, möglichst natürliche Fußbewegung erlauben

Jede dieser Maßnahmen wirkt nicht nur auf Muskeln – sondern auf das größte Sinnes- und Spannungsorgan unseres Körpers: die Faszien.

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