Marc Gassert Bühne

Marc Gassert

Marc Gassert verbrachte einen Großteil seines Lebens in auf verschiedenen Kontinenten und erlernte bei namhaften Großmeistern die asiatische Kampfkunst. Heute besitzt er Meistergrade (schwarze Gürtel) in Karate, Taekwondo und Shaolin Kung Fu. In München studierte er Kommunikationswissenschaften und interkulturelle Kommunikation, in Tokio Japanologie.

Als Keynote-Speaker und Motivator ist Marc Gassert Experte darin, wie man sich Ziele setzt, Aktionspläne erstellt, Fokus übt und die innere Haltung zu überprüft. In Marc Gasserts Vortrag dreht sich alles um die Frage, wie wir ins Tun, in Aktion kommen. Dabei werden folgende Teilfragen relevant: Wie generieren wir Antrieb? Wie bleiben wir am Ball? Und wie laden wir unseren Akku wieder auf? Ziel ist es, den Zugang zu Kraft-Reservoirs und zu seinem eigenen Selbst zu erschließen, das eigene Innovationspotential freizusetzen und die Wahrnehmung bewusst zu steuern.

Wozu Selbstdisziplin?

Zunächst soll geklärt werden, warum es sich überhaupt lohnt, an seiner Selbstdisziplin zu arbeiten. Für Gassert ist die Selbstdisziplin die großartigste Tugend, die ein Mensch erlernen kann, weil sie …

  1. die Brücke zu unseren Zielen bildet, die uns vom Ist zum Soll bringen kann.
  2. Ordnung und Struktur schafft, sodass auch Zeiten für Freiheit und Freiraum ohne Schuldgefühl in diese Struktur integriert werden können, welcher notwendig ist, um unseren Akku aufzuladen und uns zu regenerieren.
  3. Framework und Integration mittels moralischer und ethischer Umgangsformen und Regeln in einer Gesellschaft, Community, etc. schafft. Auf diese Weise können wir Teil von etwas Großem sein und etwas bewegen.

Auf die Frage, welche Antriebe uns Menschen ins Handeln, „in die Puschen“, bringen, gibt es zahlreiche Antworten wie Lob, Anerkennung, Sinn, Geld, Erfolg usw. Doch diese Antriebe funktionieren weder immer, noch bei jedem. Denn bei besagten Antrieben handelt es sich um individuelle. Jene Antriebe zu finden, die für einen persönlich funktionieren, ist nicht immer einfach und selbst, wenn man sie gefunden hat, so wird mit ihnen auch nicht immer die gewünschte Wirkung erzielt. Daher müssen wir verstärkt auf universelle Antriebe zurückgreifen. Doch welche sind das?

Rubrik der universellen Antriebe

Das Motto lautet „Wartet nicht auf die Motivation!“. Wir alle kennen Menschen, die wissen, was zu tun wäre, die aber ihr Vorhaben auf den Moment verschieben, in dem die Motivation eintritt. Aber was, wenn man vergeblich auf sie wartet? Und selbst wenn man sich als enthusiastischen Typ einstuft, so erlebt man in einem Moment womöglich einen Motivationskick, im nächsten schwindet diese jedoch wieder. Motivation ist also weder verlässlich noch beständig. Sie ist laut Gassert eine Diva, auf die es sich nicht zu warten lohnt.

Daher benötigen wir Selbstdisziplin, um uns unabhängig von der Motivation zu machen. Und diese Selbstdisziplin wiederum können wir mittels folgender universeller Antriebe etablieren.

  • Willenskraft (= Volition)

Es handelt sich hierbei um die menschliche Fähigkeit, die Kontrolle auszuüben über …
- die eigenen Gedanken
- die eigenen Handlungen
- die eigenen Emotionen
- die eigene Leistung
- die eigenen Impulse

Vieles davon kann sich als herausfordernd erweisen. Doch theoretisch können wir selbst bewusst steuern, was wir denken (Gedanken), tun (Handlungen) und wie viel wir leisten (Leistung). Etwas schwieriger gestaltet sich die Kontrolle über die eigenen Emotionen und Impulse. Gassert rät hierbei zur Dissoziation, wobei man gewissermaßen aus sich selbst heraustritt und die Dinge aus Entfernung betrachtet. Unsere Impulse könnten wir nie kontrollieren, doch worüber wir Kontrolle hätten, sind unsere Reaktionen auf diese. Sehen wir bspw. einen Snickers-Riegel ist eine häufige Reaktion „Will ich!“, mittels Dissoziation kann man jedoch die sofortige Bedürfnisbefriedigung aufschieben.

  • Werte

Unter Werte fällt all das, was uns tief im Inneren wichtig ist. Wenn etwas unseren Werten widerstrebt, werden wir nie in die Puschen kommen.
Es ist daher wichtig, unsere Werte zu finden, weil sie Sinn in unser Leben bringen. Wer in einer Führungsposition von seinen Mitarbeiter:innen Leistung erwartet, muss Sinn stiften und basale Werte finden, mit denen sich alle im Team identifizieren können. Werte funktionieren jedoch nur als „Leuchtstern“, treiben uns aber nicht bei all den kleinen, lästigen Aufgaben an.
 

 

  • Biologie des Menschen

Unser System wird biochemisch beeinflusst. Neurotransmitter wie etwa Noradrenalin bringen uns sofort in die Puschen und animieren uns zu einer Leistung von 100%. Als Beispiel kann man sich vorstellen, von einem Tiger gejagt zu werden – niemand wird hier nur 70% geben, sondern so schnell laufen wie nur möglich.
Stresshormone sind extreme Antreiber und lassen uns wachsen und resilient werden. Stresssituationen bei Mitarbeiter:innen eignen sich aus Unternehmersicht aber nur dann, wenn sie sich auf wenige Male pro Jahr beschränken. Denn zwei Faktoren machen Stress unangenehm. Der erste Faktor betrifft die Beständigkeit, weil beständiger und dauerhafter Stress belastet, unsere Gesundheit beeinträchtigt und letztendlich zu einem Burnout führt. Der zweite Faktor betrifft die Arbeitsqualität („fear eats brain“). Denn unser Neocortex funktioniert um 25% weniger gut in Bezug auf lösungsorientiertes Denken, wenn wir gestresst sind. Dadurch treten Fehler auf, die in einem Unternehmen sehr teuer werden können. Man sollte also reflektieren, ob es sich lohnt, die Belegschaft mit Stress anzutreiben, wenn dadurch garantiert Fehler passieren.

Es gibt jedoch eine Alternative: Glückshormone wie Oxytocin oder Endorphine. Diese werden vor allem durch das Prinzip der Reziprozität ausgelöst, wenn man nämlich jemand anderem etwas Gutes tut und der einem wiederum etwas Gutes tun wird oder durch seine Dankbarkeit schlichtweg ein gutes Gefühl vermittelt. Das macht uns besonders leistungsstark, weshalb wir möglichst empathisch sein sollten, um diese Glückshormone für unseren Antrieb nutzen zu können.

Wie können wir unsere Willenskraft stärken?

Gassert beruft sich bei der Beantwortung dieser Frage auf die Shaolin-Kungfu-Meister, welche dabei sowohl Körper als auch Geist miteinbeziehen.

Körper- / physische Ebene:

Es gibt körperliche Übungen, um den Geist zu stärken, wobei man dabei eine sehr unbequeme körperliche Situation einnehmen und diese über einen längeren Zeitraum hinweg erdulden soll (Bsp. siehe Abb. rechts).
Folgende Reaktionen treten ein:
- Unsere Gedanken werden wirr.
- Unsere Handlung ist aufgrund unseres Impulses, aufzustehen, beeinträchtigt.
- Emotionen kommen auf („Will ich das eigentlich?“).
- Die Ebene der Leistungskontrolle bringt die Frage auf, ob wir gerade 100% geben?
- Und letztendlich stellt sich die Frage, ob wir dem Impuls nachgeben. Die Antwort muss hier ein klares Nein sein.

Diese Übung kann bspw. beim morgendlichen Zähneputzen leicht integriert werden, denn bereits 2-3 Minuten sind für den Effekt ausreichend. Indem wir diese Art von „habit stacking“ praktizieren, können wir unsere Disziplin und Willenskraft stärken, weil wir im Kopf Leidenselastizität aufbauen. Das funktioniert übrigens mit allen isostatischen Übungen wie etwa beim Unterarmstütz (Plank), Positionen des Yoga oder Pilates. Im Westen ist die Verbindung von Körper und Geist nicht allzu verbreitet. Umso mehr sollten wir körperliche Übungen bewusst in Willenskraftübungen einbinden.

Geistes- / mentale Ebene:

Die zweite Ebene, jene der Psychologie, soll uns dabei unterstützen einen Fokus mittels Meditation aufzubauen. Es gibt zwar Apps wie bspw. head space oder Yoga-Kurse, doch in eine echte Meditation zu kommen, gestaltet sich nicht immer einfach.
Gassert plädiert daher für eine Erweiterung um Regeln der westlichen Psychologie, indem man allgemeingültige Regeln zur Steigerung von Selbstdisziplin aufnimmt. Individuelle psychologische Regeln sind nicht immer für jeden passend. Der Appell an die Einsicht (Bsp.: Wenn man viel Geld für das Fitnessstudio bezahlt, soll man es auch nutzen) funktioniert nicht bei jedem. Grund dafür ist die Falle der plausiblen Ausreden, wobei unser innerer Schweinehund das, was wir aus logischen Konstrukten bauen, aushebeln will (Bsp.: Ich habe auch für den Fernseher bezahlt). Ein weiteres Beispiel individueller psychologischer Regeln wäre, sich morgens Sportklamotten neben das Bett zu legen, doch auch das funktioniert nicht bei jedem. Allgemein sind diese individuellen Regeln keineswegs schlecht, aber man sucht sehr lange bis man etwas gefunden hat, das tatsächlich wirkt.
Universelle psychologische Regeln sind hingegen, wie der Name bereits verrät, für alle geeignet. Das Prinzip dahinter ist, unser Gehirn so zu beschäftigen, dass es keine Möglichkeit hat, Ausreden zu finden. Beispiele dafür sind folgende:

  1. Die „3-2-1-Regel“: Wenn eine Aufgabe bevorsteht, auf die man überhaupt keine Lust hat, soll man vor seinem inneren Auge „3-2-1“ zählen und es dann einfach tun. Die Wirksamkeit ist psychologisch erwiesen und kann bereits beim morgendlichen Aufstehen hilfreich sein.
  2. „Wenn Schmerz, dann sofort“. Diese Regeln besagt, dass die unangenehmste Aufgabe des Tages sofort erledigt werden soll. Denn wenn erst einmal das Anstrengendste erledigt ist, dann fühlt sich der restliche Tag leicht und beschwingt an. Diese Metapher findet sich bereits bei Mark Twain („Wenn es dein Job ist, eine Kröte zu schlucken, dann schluck sie gleich in der Früh, und wenn es dein Job ist, zwei zu schlucken, dann schluck die Fette zuerst“), sowie auch in der chinesischen Kultur („Iss bitter!“).
  3. „Hör auf zu jammern!“ Diese Regeln untersagt uns das Jammern, weil es sowohl uns, als auch unseren Mitmenschen Kraft entzieht.

Wie bleiben wir produktiv, wenn uns nicht nach Arbeit zumute ist?

Gassert nennt abschließend und zusammenfassend die häufigsten Fehler, die Menschen machen, wenn sie versuchen Selbstdisziplin zu entwickeln.

  • nur den Kopf und nicht Kopf und Körper zu berücksichtigen
  • sich zu viel vorzunehmen
  • den inneren Fokus zu verlieren
  • sich dem inneren Schweinehund zu ergeben

Um diese Fehler zu vermeiden und zu umgehen, appelliert Gassert an uns, folgende Schritte zu setzen, um die Selbstdisziplin effektiv zu steigern.

  • Finde deinen Antrieb!
  • Steigere deine Willenskraft, denn „Gewonnen und verloren wird zwischen deine Ohren“! Deshalb gilt es zu eruieren, welche Werte einen antreiben und welche mentalen und körperlichen Übungen, welche psychologische Tricks bei einem effektiv sind.
  • Finde heraus, welche biologischen Hormone dir besonders gut tun und wie du diese erreichen kannst!

Eines ist klar: Wir verändern unser Leben und wenn wir es nicht tun, dann ändert es sich von selbst. Wir wollen immer maximale Harmonie erreichen, doch es wird immer etwas oder jemanden geben, das oder der nicht in unser Leben passt. Wir müssen lernen, damit umzugehen und das, was auf uns zukommt, so in unser Leben zu integrieren, dass es wieder harmonisch wird. Dabei unterstützt uns die Selbstdisziplin.

Die Aufzeichnung des gesamten Vortrags inklusive der Q&A Session steht den Windhund 365 Kunden auf der Eventumgebung 30 Tage lang zur Verfügung.

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