Dr. Bardia Monshi

Vitalpsychologe

Bardia Monshi ist hypnosystemischer Coach, Trainer, Speaker & Autor. Als Gründer und Geschäftsführer des Instituts für Vitalpsychologie begleitet er Menschen und Organisationen in ihrer mentalen, sozialen und organisationalen Vitalität. Er arbeitete bereits mit CEOs multinationaler Konzerne, Mitarbeiter:innen, Sport Weltmeister:innen und Olympioniken zusammen. Zusätzlich ist er durch zahlreiche Fachartikel, Keynotes und Auftritte in TV & Radio bekannt.

Die Grundlagen der Vitalpsychologie

In der Vitalpsychologie unterscheidet man zwischen drei Ebenen:

  • Überleben: bei Krisen aktiv
  • Leben: Normalebene
  • Erleben: sehr positiv

Durch Krisen wie etwa Kriege oder die Klimakrise geraten wir in den Überlebensmodus, obwohl wir das Leben eigentlich erleben wollen.

Dr. Monshi verweist auf das erste Wirk-Prinzip. Manchmal scheinen wir zu vergessen, dass der Mensch dafür geschaffen ist, Krisen zu überwinden und bereits sehr viele Krisen der Menschheit überwunden wurden. Aus Beispielen der Vergangenheit können wir Kraft schöpfen. Wir müssen uns darüber bewusst werden, dass wir immer ins Ungewisse unterwegs waren und sein werden.

Wir alle lernen von Fall zu Fall zu gehen und von Krise zu Krise zu leben. Niemand hat ein Anrecht darauf, ohne Krise zu leben. Aber jede Krise bietet auch ein Wachstumspotenzial, nämlich durch die Möglichkeit, sie zu bewältigen.

Zwei Arten von Selbstwachstum

Es gibt zwei Ursachen für Entwicklung und Selbstwachstum.

Zum einen können wir über positive Emotionen wachsen. Sie lösen in uns Selbststärkung und Erfolgserleben aus. Ein Baby, welches durch seinen Griffreflex zu einer süßen Banane greift, lernt aufgrund der erlebten Lust (durch den süßen Geschmack), dieses Verhalten beizubehalten. Jedes Mal, wenn wir also Lust erleben, dann werden wir die entsprechenden Verhaltensweisen nicht verändern und so bleiben, wie wir sind.

Die zweite Ursache für Selbstwachstum sind negative Emotionen. Wenn das eben genannte Baby in eine saure Zitrone beißt, wird die Euphorie, nach allem zu greifen, nachlassen. Krisen erfordern genau das, dass wir nämlich bestehende und bewährte Erfolgsrezepte verändern. Diese Möglichkeit zur Veränderung bildet die Fähigkeit, aus einer Krise herauszuwachsen. In Krisen müssen Selbstverständlichkeiten und Gewohnheiten verabschiedet werden, während es zugleich noch keine neuen Lösungen gibt. Und genau darin besteht jede Krise.

Gewohnheiten überwinden

Krisen entstehen daraus, dass wir immer dasselbe tun, ohne es zu hinterfragen, weil es sich bewährt hat. Wenn wir aber immer dasselbe machen, obwohl es uns nicht voranbringt, führt das zur Erschöpfung (vgl. Burnout: zu viel Arbeit, zu viel Stress). Wir brauchen hingegen Wechselspiele im Leben. Gewohnheiten stehen uns dabei oft im Weg.

Wenn wir diese kleine Gewohnheit verändern (die Hände genau umgekehrt verschränken), wird eine Hirnregion aktiviert, die Dr. Monshi als „Jammer-Hirnlappen“ betitelt. Krisen bestehen darin, dass Selbstverständlichkeiten verloren gehen. Unser Gehirn muss adaptieren, obwohl es ihm nicht gefällt. Dieser Prozess ist notwendig für die Bildung neuer Verhaltensschemata.

Wir haben zwar einerseits das Bedürfnis aus unserer Komfortzone in eine Lernzone zu gelangen. Wenn wir jedoch zu viel auf einmal lernen müssen, bricht Panik aus.

Unsere Gehirn- und Verhaltensebenen

Dr. Monshi unterteilt das Gehirn stark vereinfacht in drei Ebenen. 

 

1. Reptiliengehirn (rot):
Diese Ebene ist zuständig für folgende tiefe Antriebe in hierarchischer Anordnung.
- Nahrung
- Fortpflanzung
- Kampf / Aggressions- und Schutztrieb
Dieses Reptilien-Gehirnareal agiert sehr schnell und ist kaum kontrollierbar. Es löst in uns den Einzelkämpfer-Modus aus.
Eine interessante Beobachtung ist, dass auf Social Media Postings mit entsprechenden Inhalten (Essen, Darstellungen von sich selbst, die einen besonders attraktiv wirken lassen, sowie Gewalt) besonders beliebt sind.
Darüberliegende Ebenen sind zwar langsamer, können aber die tieferliegende besänftigen.

2. Säugetiergehirn (gelb):
Auf dieser Ebene werden Bindung und Exploration (Entdeckertrieb) forciert. Säugetiere unterscheiden sich zu Reptilien unter anderem durch Brutpflege, wodurch deutlich wird, dass die Beziehungen zu Mitmenschen eine wesentliche Rolle für uns spielen. Bindungserleben holt uns aus dem Reptilien-Modus und fördert unser Explorationsverhalten.
Zudem ist Bindung DER Resilienzfaktor schlechthin. Menschen, die sozial gut eingebunden sind, können Krisen deutlich besser bewältigen als solche, die es nicht sind.
Eine Metastudie ergab, dass soziale Bindungen und menschliche Nähe wesentlicher für unsere Gesundheit sind als Ernährung und Sport. Ihre Abwesenheit sei so schädlich wie bspw. das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag.

3. Menschhirn (grün):
Dieses Hirnareal agiert sehr rational, dafür aber am langsamsten. Aktiv in diesem zu bleiben und nicht in eine tiefere Ebene zu fallen, gilt als Selbstregulationskunststück.

Tipps zur Selbstregulation und Deeskalation

  1. Entschleunigung hilft die Aktivierung des äußerst schnellen Reptiliengehirns zu hemmen. Entschleunigung erreichen wir durch Verlangsamung. Am einfachsten gelingt dies durch eine bewusste Ausatmung bei schnellen Reflexen. Wenn wir uns erschrecken, atmen wir abrupt ein und aktivieren damit. Genau dem soll mit einer bewussten Ausatmung zugunsten der Selbstregulation entgegengewirkt werden.
     
  2. Bindungen aufbauen. Der Auf- und Ausbau von Bindungen geschieht über gemeinsames Fühlen und Anerkennen von Emotionen. Dies zählt zu den großen zwischenmenschlichen Aufgaben in Krisenzeiten: miteinander fühlen und Verständnis für die Gefühle anderer zeigen, anstatt sofort rationale, faktenbasierte Ratschläge zu geben. Egal, ob es sich um eine zwischenmenschliche oder persönliche Krise handelt, wir sollten immer nach folgendem Dreischritt agieren.
    1. Zeit geben und ausreden lassen
    2. Bindung aufbauen
    3. Fakten nennen

Der SINN-Sinn

 

Um den SINN-Sinn zu erläutern, bezieht sich Dr. Monshi auf Viktor Frankl. Dieser hat die Theorie Freuds, dass der Mensch nach Lust und der Vermeidung von Schmerz streben würde, um die Dimension des Sinns erweitert (siehe Tabelle). Dinge, die lust- und sinnvoll sind, bereiten uns Freude. Was sinnlos ist, aber Lust bereitet, sind unsere Laster wie bspw. Social Media, die nicht überhandnehmen sollten. Aktivitäten, die in uns Schmerz auslösen und sinnlos sind, verursachen Leid und sollten in unserem Leben keinen Platz finden. Hingabe hingegen entsteht aus Tätigkeiten, die zwar schmerzvoll, aber auch sinnvoll sind. Dies ist die Kunst der zweitbesten Lösung (wenn sich nämlich eine Kombination aus Lust und Sinn nicht realisieren lässt). Sie ermöglicht uns, über uns hinauszuwachsen. Abschließend wird Frankl zitiert: „Eine der letzten menschlichen Freiheiten ist, seine Einstellung aus welchen Umständen auch immer frei wählen zu können und einen eigenen Weg wählen zu können.“

Wir sollten uns daher innerlich stets und vor allem, wenn uns Unangenehmes widerfährt, fragen: „Wofür ist das eine Gelegenheit? Wieso lohnt es sich, weiterzumachen?“

Zwei große Sinnquellen

Sinn entsteht entweder durch persönliches Wachstum im Dienst an einer Sache oder durch die Verbundenheit mit anderen im Dienst an einem anderen Menschen.

Die Umfrage zeigt, dass das Miteinander und die Verbindung zu anderen Menschen am meisten Sinn stiften. Diese Verbundenheit gliedert sich in folgende drei Faktoren.

  • Compassion: das Mitgefühl für sich selbst und andere
  • Connection: beständige Verbindungen
  • Contribution: das Gefühl, einen Beitrag leisten zu können (vor allem alten Menschen sollten wir dieses Gefühl vermitteln, noch sinnvoll wirken zu können)

Die Struktur des Lebens

Jedes Leben ist eine erlebte Geschichte. Es gibt verschiedene Strukturen. Der aristotelische Spannungsbogen bspw. zeichnet sich durch einen 1. Höhepunkt aus, an dem man zur Welt kommt und seine wichtigsten Bezugspersonen kennenlernt (Bsp. Film Titanic: Protagonisten werden vorgestellt), und durch einen 2. Höhepunkt, die Pension (beim Film die Pointe). Danach ist der Film als auch das Leben relativ schnell vorbei.

Eine andere Struktur (als Filmgenre würde sie am ehesten dem Aufbau eines Pornos gleichen) finden wir z.B. bei Social Media vor. Es gibt viele Höhepunkte, die sich dazwischen wieder mäßigen. Problematisch ist diese Struktur, weil wir uns oft gar nicht mehr an die dargebotenen Inhalte erinnern können.

Nach Frankl sollen und können wir eine gesunde Mischung erreichen, indem wir eine sinnerfüllte Lebensgeschichte, die Ausdauer bedarf, mit lustvollen Höhepunkten kombinieren.

Die Aufzeichnung des gesamten Vortrags inklusive der Q&A Session steht den Windhund 365 Kunden auf der Eventumgebung 30 Tage lang zur Verfügung.

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